In Kärnten hält die FPÖ 38,6% der WählerInnenstimmen. Am 28. Oktober fand deshalb eine bundesweit organisierte Demonstration gegen Rassismus und MigrantInnenfeindlichkeit statt. Nährboden für die traditionelle Stärke der FPÖ in Kärnten ist wohl das geringste Durchschnittseinkommen Österreichs und der Mythos vom Abwehrkampf.
Auch heute zählt der sogenannte Abwehrkämpferbund zu den größten Bastionen der FPÖ und spielt auch im öffentlichen Leben Kärntens eine nicht zu unterschätzende Rolle. Er entstand in der Zwischenkriegszeit, als das vormals zur K.u.K. Monarchie gehörende Slowenien die südöstlichen Teile Kärntens, welche teilweise zu 70% von Slowenen bewohnt waren, für sich proklamierte. Dies führte im Dezember 1918 zu Gefechten, bei denen der Abwehrkämpferbund für den Verbleib der slowenischen Teile Kärntens bei Österreich kämpfte.
Das Fazit dieser Auseinandersetzung, nach 270 Toten auf Kärntner und 150 Toten auf slowenischer Seite, war, dass eine Volksabstimmung angesetzt wurde.
Volksabstimmung
Als diese im Oktober 1920 durchgeführt wurde stimmten 22.000 für und 15.000 gegen den Verbleib der slowenischen Teile bei Kärnten.
Dies wurde neben massiver Propaganda dadurch möglich, dass sich große Teile der Slowenen mehr vom Verbleib im wirtschaftlich stärkeren Österreich versprachen. Doch nach der Volksabstimmung zeigte sich wieviel die Wahlversprechen wert waren: Große Teile der SlowenInnen wurden beispielsweise von ihren Positionen im öffentlichen Dienst verdrängt.
Es ist wohl selbstverständlich, dass dieselben „Abwehrkämpfer“, die Österreich gegen Slowenien „verteidigt“ haben nichts dergleichen taten, als Hitlers Truppen 1938 in Österreich einmarschierten. Ganz im Gegenteil, sie waren großteils glühende Anhänger eines „Großdeutschen“ Reichs.
Heute stehen Abwehrkämpfern gemeinsam mit ehemaligen Mitgliedern der Waffen-SS am Ulrichsberg oder in Krumpen-dorf und lauschen andächtig den Reden des Rechtsextremisten Haider.
„Meine Ehre heißt Treue“
Am 10. Oktober dieses Jahres wurde in Klagenfurt mit einem großen Festumzug dem achtzigsten Jahrestag der Volksabstimmung gedacht. In dem Fahnenmeer befand sich zumindest eine Fahne mit dem SS-Motto „Meine Ehre heißt Treue“, obwohl allen mitwirkenden Traditionsverbänden im Vorfeld mitgeteilt wurde, dass die Mitführung solcher Sprüche nicht gestattet sei.
„Widerstandskongress“
Am 26. und 27. Oktober fand ein von der Plattform Offenes Kärnten organisierter „Widerstandskongress“ statt, bei dem der Rechtsruck Österreichs und der EU thematisiert wurde. An der Demonstration am 28. nahmen Menschen aus allen Teilen Österreichs (so zum Beispiel Mitglieder der AL aus Graz und Wien), slowenische Verbände, viele ItalienerInnen und sogar einige Leute aus England und Frankreich teil.
Wir sammelten uns um 14 Uhr am neuen Platz, wo auf einer riesigen Bühne verschiedene Musikgruppen und RednerInnen auftraten. Um 16.30 setzte sich der Demozug, der mittlerweile auf etwa 3000 Personen angewachsen war, endlich in Bewegung. Dutzende Male intonierten wir die Internationale, Avanti popolo und bella ciao, kräftig unterstützt von den ItalienerInnen.
Vor dem Sitz Jörg Haiders blieb die Demo eine Weile stehen, Farbbeutel flogen nach vorn, Sprechchöre (z.B. „Ausländer bleiben, Haider vertreiben“) wurden gebrüllt, einige DemonstrantInnen sprangen über die Polizeiabsperrung. Bevor die Situation wirklich eskalieren konnte, mah-nten die DemoordnerInnen zum Aufbruch, und wir marschierten weiter, bis wir wieder beim Lindwurm ankamen. Dann war ohnehin schon Zeit zum Aufbruch.
Wir kommen wieder
Einen Nachmittag das Stadtbild zu dominieren ist natürlich zuwenig, um wirklich eine Wende herbeizuführen. Speziell in Kärnten braucht die Linke , welche häufig Opfer faschistischer Übergriffe wird, unsere Solitarität und Unterstützung.
Am 28. Oktober haben wir gezeigt, dass der „rote Mob“, der sich Haiders Worten zufolge in Kärnten nicht mehr auf die Straße traue, nicht mundtot gemacht werden kann.