Mit dem Antritt der Regierung mußte sich ein Großteil der Öster-reicherInnen wieder einmal auf große Einsparungsmaßnahmen gefaßt machen. Eine neue Welle von Sparpaketen rollte, beziehungsweise rollt, über das Land. Geschickt hat die Regierung bis zum Sommer gewartet, um die Streichung der Familienbeihilfe bei StudentInnen zur Diskussion zu stellen und wieder einmal Studiengebühren anzukündigen.
Gespart wird selbstverständlich an allen Ecken und Enden, ohne dabei auf irgend jemanden wirklich Rücksicht zu nehmen, außer auf die, bei denen Einsparungsversuche und Kürzungen ohnehin keinen Schaden anrichten würden, da sie sowieso auf ihren Millionen sitzen. Die Regierung stellte sich die Frage: “Wo können wir denn überall sparen?” und ihre Aufmerksamkeit richtete sich auch auf die StudentInnen.
Es dürfte ein wesentlicher Gesichtszug des Kapitalismus und rechter Politik sein, sofort bei den Studierenden mit irgendwelchen Unterdrückungsversuchen zu beginnen. Das ist ja auch nicht weiter verwunderlich, denn ein zu hohes Bildungsniveau kann sich der Staat in diesem System nicht leisten. Das, was der Staat will, sind gut ausgebildete Fachkräfte vor allem in technischen Bereichen. Geisteswissenschaftlich ausgebildete Leute, wie zum Beispiel Philosophie - AbsolventInnen, heben den wirtschaftlichen Ertrag schließlich nicht wirklich.
Kürzungen
Bildungsministerin Gehrer würde gerne nicht nur Studiengebühren für Fachhochschulen, sondern auch noch für alle Universitäten einführen. Diese Studiengebühren sollen vorerst aber nicht alle treffen, sondern “nur” PensionistInnen und Mehr-fachstudentInnen. Die Folge eines solchen Schrittes ist klar ersichtlich. Nach einiger Zeit würde die Regierung meinen: "Wenn es schon bei den PensionistInnen und den MehrfachstudentInnen funktioniert hat, dann können wir doch auch gleich von allen anderen Studiengebühren verlangen."
Laut einer Umfrage, die von IFES im Auftrag der AK durchgeführt wurde, sprechen sich 62 Prozent aller Befragten und 70 Prozent der betroffenen Eltern mit Schulkindern gegen Studiengebühren aus. Schon jetzt sind mehr als zwei Drittel, nämlich 68 Prozent aller StudentInnen, neben dem Studium berufstätig, weil sich der Großteil der Studentenschaft das Studium sonst nicht leisten könnte. Durchschnittlich verfügen berufstätige StudentInnen über einen Betrag von 8900 Schilling im Monat. Damit wäre die Begleichung der Gebühren ein Ding der Unmöglichkeit.
Aber nicht nur Studiengebühren könnten die Situation für StudentInnen verschlechtern, sondern auch die Streichung der Familienbeihilfe. Dafür will die Regierung dann aber die Stipendien erhöhen. Das heißt, wenn Eltern kein unterstützendes Studiengeld zahlen und die Familienbeihilfe wegfällt, wird die Situation für einige StudentInnen sehr schwierig werden.
Die Folge
Falls es zu einer Gebührenwelle kommen sollte, würde sie dazu führen, daß die Zukunftschancen einer Person davon abhängen würden, was sich die Eltern leisten können. Darüber hinaus würde das Studium für jene erschwert, die sich durch einen Nebenjob das nötige Geld verdienen müssen. Das heißt wir hätten in einer absehbaren Zukunft eine schmale Schicht von gut gebildeten reichen Leuten, die der breiten weniger gebildeten Masse gegenüberstehen würden.
Genau das muß verhindert werden! Auch wenn sie uns Familienbeihilfe streichen, Stipendien kürzen, und Studiengebühren anhängen, müssen wir ihnen immer klar vor Augen halten, dass wir ein wesentlicher Faktor sind, vor dem sie sich fürchten müssen. Wir dürfen den Versuch, die Bildung des Landes zu beschneiden, nicht tolerieren. Daher müssen wir darauf beharren: Kostenfreie Bildung für alle Menschen! Wir müssen Widerstand leisten! Wir müssen Unistreiks organisieren und der Regierung zeigen, was wir wollen!