udi Dutschke wurde als Symbolfigur der deutschen 68er-Bewegung sowohl gefeiertes Idol der StudentInnenbewegung, als auch Hassobjekt der rechten Medien, allen voran Axl Springers Bildzeitung. Als einer derer, die im sozialen Aufbegehren einer ganzen Generation gegen das “Establishment” auch eine Chance zum politischen Umbruch sahen, ist er für uns von Interesse.
Rudolf Dutschke wurde am 7.3.1940 in Schönefeld geboren. Da er den Wehrdienst in der DDR verweigerte, wurde er nicht zum Studium zugelassen. 1960 begann er dann in West-Berlin ein Soziologiestudium und wurde 1963 Mitglied der “Subversiven Aktion” (eine studentisch geprägte linke Vereinigung). Ab 1966 war Rudi Dutschke Demonstrationsorganisator und kämpfte gegen die verknöcherten Gesellschaftsstrukturen. Am 11. 4.1968 wurde er bei einem Attentat in Berlin schwer verletzt. Dem Attentat war eine beispiellose Hetzkampagne durch die Springerpresse (Bildzeitung) zuvorgegangen.
Der SDS
Der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS), dem Dutschke 1964 beitrat wurde 1946 gegründet und war ursprünglich eine den SozialdemokratInnen (SPD) nahestehende studentische Organisation. Die linken Strömungen setzten sich jedoch durch, was zu einem Abfallen des SDS von der SPD führte. 1967 wurde Dutschke Vorsitzender des SDS, der die treibende organisatorische Kraft bei den gesellschaftlichen Entwicklungen Ende der 60er Jahre werden sollte. Am 21.3.1971 löste sich der SDS als Gesamtorganisation auf. Die SDS-Sektion in Heidelberg existierte zwar nach dem Auflösungsbeschluss weiter, wurde jedoch nach Beteiligung an Ausschreitungen am 24.6.1970 vom Innenministerium von Baden-Württemberg verboten.
Theoretische Bezugspunkte
Rudi Dutschke galt während seiner Zeit im SDS als einer der wichtigsten Theoretiker der außerparlamentarischen Opposition (APO). Dutschke bezog sich in seinen Schriften stark auf Lukacs, Adorno und Marcuse (Vertreter der sog. Frankfurter Schule) aber auch auf Mao, dessen “Kulturrevolution” von vielen europäischen Linken als antibürokratischer Akt missverstanden wurde. Er gab daneben zu erkennen, dass er sich in seiner theoretischen Sichtweise “sehr stark auf Leo Trotzki” stützte, ohne sich mit ihm zu identifizieren. Trotzki hatte nach seiner Überzeugung analytisch deutlich gemacht, warum in der Sowjetunion der Marxismus durch die stalinistische Diktatur eine starke Verformung erfuhr und wo die Ansätze einer positiven Entwicklung lagen. Gerade weil die stalinistische Bürokratie den Freiheits- und Emanzipationskampf verleugnet und verdrängt hatte, bildete sie laut Dutschke keinerlei Kontinuität und Ansatzpunkt einer Erneuerung der marxistischen Theorie.
Ab 1967 propagierte er den “langen Marsch” durch die Institutionen der Bundesrepublik (Besetzung von Positionen im bürgerlichen Staatsapparat). Dutschke bezeichnete sich dennoch selbst als “revolutionären Sozialisten” und stand damit nicht selten im Widerspruch zu Teilen des SDS.
Dutschke unterhielt auch Kontakte zur RAF. Bei mehreren Gefängnisbesuchen bei Mitgliedern der RAF machte er seine Solidarität mit der RAF deutlich, nicht ohne jedoch (richtigerweise) den bewaffneten Kampf und den individuellen Terror kritisch in Frage zu stellen.
Dutschke, der seine politische Prägung in der 68er-Bewegung erfuhr, die sich stark auf die Antikriegsbewegung (Vietnamkrieg) stützte und deren antiimperialistische Bestrebungen hauptsächlich gegen die USA als Aggressor im Vietnamkrieg gerichtet waren, betonte auch in zahlreichen Schriften ein Naheverhältnis zu Ho Chi Minh, dem stalinistischen Führer der vietnamesischen Befreiungsbewegung.
1969 bis 1971 hielt er sich in Großbritannien auf und wurde anschließend wegen “Subversion” ausgewiesen. Mitte der 70er Jahre war Dutschke ausserdem an Strategiediskussionen zum Aufbau einer “linkssozialistischen Partei” in Deutschland beteiligt. Dutschke war nach seiner Zeit beim SDS Dozent an mehreren Universitäten und starb am 24.12.1979 in Dänemark an den Spätfolgen des Attentats.