Blutiger Urlaub

Der Sommer ist da und so mancher fliegt in den Süden. Neben der Türkei werden Griechenland, Italien und Spanien wird die Türkei das Hauptziel für Sonnenhungrige sein. Und allzu gern vergißt mensch was nur 100 km von der türkischen Mittelmeerküste entfernt passiert.

Dort führt die Türkei gegen die von ihnen abfällig „Bergtürken“ genannten KurdIn-nen seit Jahrzehnten Krieg, und abgesehen von der Verhaftung Öcalans letzes Jahr wird diese Tatsache von den Medien totgeschwiegen. Die 30 Millionen KurdInnen die im türkischen Teil Kurdistans leben (ca. 550.000 km²) dürfen ihre Sprache und ihre Kultur nicht ausleben. So darf nicht auf kurdisch geschrieben werden und die traditionelle kurdische Neujahrsfeier der Newroz der jedes Jahr am 21. März gefeiert wird ist ebenfalls verboten. Ihre bloße Existenz als KurdInnen wird vom türkischen Staat geleugnet, kurdische Demonstrationen und Parteien sind verboten.

Das hat letztendlich dazu geführt, daß vor knapp 20 Jahren die PKK, die kurdische Arbeiter-Innenpartei den bewaffneten Kampf aufgenommen hat. Der türkische Repressionsapparat schlug mit aller Härte zurück, an die 3000 Dörfer sind zerstört worden, es gibt über 5 Mio. Flüchtlinge, tausende ZivilistInnen sind von Todesschwadronen ermordet worden oder in Haft.

Viele KurdInnen sind vor dem Krieg in die Städte der Westtürkei geflohen, wo sie aufgrund ihrer Abstammung auch kein menschenwürdiges Leben erwartet, andere sind auch in die Staaten Westeuropas emmigriert.

Die Hilfe des Westens

Das ganze passiert aber nicht ohne das Wissen Europas. Nein, allen anderen voran mischt Deutschland mächtig mit und verdient dabei teilweise auch nicht schlecht. So verkaufte das „wiedervereinigte“ Deutschland über 250.000 Kalaschnikows aus den Beständen der Nationalen Volksarmee, gemeinsam mit Schützenpanzern um über 1,5 Milliarden DM. Durch diese und weitere Exporte kam die BRD zum zweifelhaften Ruhm der zweitgrößte Waffenexporteur der Welt (nach den USA) zu sein. Aber daß Profit mehr zählt als Menschenleben ist ja nichts Neues.

Mittlerweile hat die PKK einen einseitigen Waffenstillstand ausgerufen und sich aus dem Staatsgebiet der Türkei zurückgezogen. Doch die Regierung in Ankara sieht das als willkommene Chance weiter zuzuschlagen. Während den letzten Monaten sind türkische Truppen sogar wiederholt bis in den Nordirak vorgedrungen um die Rückzugsstellungen der PKK anzugreifen.

Doch nicht nur militärisch sondern auch politisch befindet sich die PKK auf dem Rückzug. So ist sie inzwischen von der Forderung nach einem unabhängigen Kurdistan abgewichen und setzt darauf das der „demokratische“ Westen sich ihrer erbarmt und die Türkei „abmahnt“.

Solidarität

Gerade weil die Türkei bei ihrem Feldzug gegen die KurdInnen sowohl auf materielle als auch politische Unterstützung durch den Westen angewiesen ist, wird sie dadurch verwundbar. Deshalb wird es für den Erfolg des kurdischen Freiheitskampfes notwendig sein, daß sowohl hier in Österreich gemeinsame Aktionen von kurdischen und österreichischen KollegInnen gesetzt werden, als auch in der Türkei sich die ArbeiterInnen, kurdische und türkische, nicht mehr länger nationalistisch verhetzen lassen.

Und auch wenn es vielleicht wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirkt, aber auch die Einnahmen aus dem Tourismus, auf die Ankara zu einem hohen Grad angewiesen ist, werden für die Unterdrückung der KurdInnen eingesetzt.


Fakten über Kurdistan:

# Mindestens 24 Millionen KurdInnen leben über fünf Staaten verstreut.
# Mindestens 12,5 Millionen KurdInnen leben in der Türkei, weitere 5 Millionen leben im Iran, 3,2 Millionen im Irak.
# 20% der Bevölkerung der Türkei sind KurdInnen
# Seit 1984 sind mindestens 30.000 Menschen im Krieg umgekommen