Arbeiten in der Computerbranche

Serie: Aus dem Betrieb

Ich arbeite nun bei einem großen Internetprovider im „Technischen Support“ und auf den ersten Blick scheint auch alles in Ordnung zu sein. Bei genauerem hinsehen merkt mensch allerdings schnell, daß einzig und allein die Methoden des Managements gefinkelter sind.

Ich bin bei einem internationalen Internetprovider im Helpdesk angestellt. Der Hauptteil meiner Arbeit besteht darin, mit den Kunden per Telefon Installations und Mail-Probleme etc. durchzugehen. Die „Hotline“ ist wochentags von 8:30 bis 21:00 offen, übers Wochenende und an Feiertagen erst von 13:00 an. Die Arbeitszeiten schwanken, manchmal sind es bis zu neun Stunden ohne offizielle Pause, Dienst von 7:00 bis 22:00 ist im Gespräch. Dadurch daß sich „meine“ Firma als einen professionellen Business Provider positioniert ist die Abteilung sogar in den meisten Fällen recht gut besetzt und mensch hat so sogar kleine Verschnaufpausen.

Die Firma läuft nach „amerikanischem“ Prinzip, der Chef und die KollegInnen werden mit dem Vornamen angesprochen, langjährige MitarbeiterInnen bekommen Aktienpakete. Es gibt sogenannte "Mitarbeitergespräche" bei denen mensch seinem Chef seine persönlichen Wünsche und Sorgen mitteilen kann, was natürlich eine gute Möglichkeit ist Leute auszufragen, und neue Einsparungs-möglichkeiten aufzudecken. Im Gegensatz zu Stronachs Magna Konzern, der das gleiche Konzept verfolgt, hat „meine“ Firma sogar einen Betriebsrat, doch außer einer Seite auf der internen Homepage habe ich noch nicht viel von ihm gesehen.

Der Chef, dein Freund und Helfer?

Das hört sich jetzt alles ganz nett an, passiert aber nicht weil sich die Vorstandsmitglieder Sorgen um uns machen (sonst würden sie nicht überlegen die Arbeitszeiten auf 22:00 auszudehnen), sondern aus Kalkül: Auch wenn ich zu meinen Chef "du" sage, so sind wir noch lange nicht gleichberechtigt, denn mitreden, ob wir dieses oder jenes wollen, können wir nicht, wir bekommen es von „Papa“ vorgesetzt. Trotz alledem verschleiern diese „freundschaftlichen“ Strukturen recht effektiv die wahren Verhältnisse und der Großteil meiner KollegInnen glaubt leider, daß die Interessen der Firma ihre Interessen sind und identifizieren sich mit ihr. Auch die oben erwähnten Aktienpakete ermöglichen mensch ja keine Möglichkeit der Mitbestimmung, und viele haben leider auch ein wenig im Hinterkopf, daß wenn sie „brav hackeln“ über den Umweg der Aktie etwas zu ihnen zurückkommt, was natürlich Blödsinn ist. Trotzdem ist es eine gute Möglichkeit Löhne zu drücken (Aktienpakete statt Lohnerhöhungen), und KollegInnen an den Betrieb zu binden.

Sichere Zukunft?

Mensch muß auch sehen, daß all diese „Zugeständnisse“, die doch nur Brotkrumen im Vergleich zu den Profiten sind, nur gemacht werden, weil die Telekommunikation eine boomende Branche mit riesigen Gewinnspannen ist. Sobald die Konkurrenz zunimmt, wird als erstes bei uns ArbeiterInnen eingespart werden. Analog dazu kann mensch den gesamtwirtschaftlichen Boom der 60er und 70er und die Sparpakete in der Rezession der 90er sehen.

Besonders deutlich wird diese Tendenz wenn mensch sich Internet Provider, die mehr auf den härteren Einzelkundenmarkt angewiesen sind, anschaut: ca. 60% der Angestellten haben einen sogenannten „freien Werkvertrag“, was für diese KollegInnen bedeutet, daß sie quasi jeden Tag gekündigt werden können, keinen Anspruch auf Kranken- oder Pensionsversicherung haben, es sei denn sie zahlen selbst für eine Private. Dort offenbart sich auch die Unterdrückung noch viel offener. So meinte der Chef, als ihm zu Ohren kam, daß beabsichtigt wird ein Betriebsrat zu gründen, wörtlich: „Wer das macht, fliegt“.