Der SPÖ Gemeinderat will im Zuge weiterer Liberalisierungsmaßnahmen auch
Wienstrom zerschlagen. Davon sind direkt tausende ArbeitskollegInnen
betroffen. Gastkommentar von Gilbert Karasek, Personalvertreter bei Wienstrom
Liebe ArbeitskollegInnen,
Diesmal geht es nicht nur bloß um die Auflösung von Arbeitsplätzen. Hier
geht es um das Herzstück der Wiener Elektrizitätswerke, um sein Stromnetz.
Strom kann ohne Netz nicht fließen. Aber wenn es um die Bereicherung an der
menschlichen Grundversorgung geht, dann werden sogar die physikalischen
Gesetze außer Kraft gesetzt und Strom vom Netz getrennt.
Als Vorbild für die Enteignung der E-Werke, steht das britische Bahnnetz.
Es wurde privatisiert, ausgegliedert und verkauft. Es brachte einer
verschwindenden Minderheit ein unvorstellbares Vermögen. Heute ist das Netz
vollkommen sanierungsbedürftig und seine Erhaltung kostet den Steuerzahlern
Milliarden Euro. Zieht man aus der Privatisierung eine Bilanz, dann ist sie
eine finanzielle und menschliche Katastrophe. Auf der einen Seite wurden
wenige zu Milliardären, auf der anderen Seite kamen hunderte Menschen an
dem kaputt gesparten Bahnnetz um ihr Leben.
Während die Gemeinderäte von sozialer Gerechtigkeit sprachen haben sie den
WienerInnen ihre kommunale Grundversorgung genommen, indem sie diese in
Privatgesellschaften umgewandelt haben. Wenn man nach den Gründen forscht,
für was das Gut sein soll, dann kommt immer das gleiche Ergebnis heraus. Die
Privatisierung dient einzig und alleine der Kapital und Vermögensbildung in
privater Hand, auf Kosten der Grundbedürfnissen der Bevölkerung. Einen
anderen Grund, den gibt es nicht. Daraus lässt sich ableiten: Wer auch immer
die Gesetze für die Bereicherung an der Grundversorgung schafft, der handelt
vorsätzlich gegen die Interessen seiner Bevölkerung.
Am Beispiel der Privatisierung der Grundversorgung in Deutschland, Italien,
England und USA sehen wir, dass für viele ArbeitnehmerInnen die
Grundversorgung zu einem Luxusartikel geworden ist. Während die
Privatgesellschaften an der Grundversorgung immer reicher werden, vermehrt
sich die Zahl der Menschen, für die es immer schwieriger wird, sich die
"privatisierte" Grundversorgung zu leisten.
Es ist für den Widerstand nicht zu spät. Nehmen wir die Magistratsabteilung
48 als Vorbild, die mit viel weniger Personal gegen ihre Zerschlagung
ankämpfte. Sie haben mit ihren Mut die weitere Privatisierung vorerst
gestoppt. Stehen wir zu unseren Arbeitsplätzen und zu unserer Zukunft,
stehen wir zu der Sicherung der Grundversorgung der WienerInnen. Sorgen wir
dafür, dass die Grundversorgung der Menschen nicht durch die Profitgier der
Holding AG erdrückt wird. Dabei geht es nicht nur um die Zukunft der
Grundversorgung, sondern auch um unsere Zukunft, unser Einkommens, unsere
Absicherung der Arbeitsplätze und Pensionen.
Die EU? Eine faule Ausrede. Die EU-Bürokratie kann darüber diese oder
anderer Meinung sein, sie kann das mögen oder ablehnen, aber die Exekution
führt die SPÖ durch. Ich hoffe, dass sich diesmal die Gewerkschafter der
SPÖ, ohne wenn und aber, ohne billige Vorwänden und Ausreden, hinter
ihre ArbeitskollegInnen stellen. Denn schließlich beschließt der SPÖ
-Gemeinderat und nicht die EU die Zerschlagung der Wiener
Elektrizitätswerke.
Es liegt an uns, die Einrichtungen, die der Grundversorgung der WienerInnen
dienen, vor den privaten skrupellosen GeschäftemacherInnen zu schützen. Setzen
wir daher gemeinsam ein Zeichen des Protests und wenn notwendig auch
Kampfmaßnahmen gegen die Zerschlagung der Wiener Elektrizitätswerke.
Euer Personalvertreter Gilbert Karasek
Gastkommentar von Gilbert Karasek, 13.09.2007
zurück zur Hauptseite
Hast Du Anmerkungen, Kommentare, möchtest Du uns etwas sagen? Klick hier
Dieser Artikel war nicht umsonst.
Wir freuen uns über Spenden:
AUT: BLZ 14200, Kto-Nr.: 20010281580
Int.: BIC: EASYATW1, IBAN: AT901420020010281580