Sogar Porsche-Boss Wendelin Wiedeking outete sich kürzlich in einem Interview mit dem deutschen „Spiegel“ fast als Anti-Kapitalist. Unterstützung von unerwarteter Seite also?
„Es ist nicht nachvollziehbar, wenn Konzerne Rekordgewinne melden und zugleich ankündigen, dass sie Tausende von Arbeitsplätzen streichen.“ Ein möglichst hoher Gewinn könne doch „nicht das einzige Ziel von eines Unternehmens sein“. Der das sagt, ist keineswegs ein bösartiger Kommunist, sondern Wendelin Wiedeking, Chef des Autoherstellers Porsche und Mitglied im Aufsichtsrat des VW-Konzerns. Wiedeking bezieht sich dabei auf die jüngsten Jobabbau-Pläne bei deutschen Banken und Versicherungen, erklärt aber auch klar, dass er für Vollbeschäftigung im VW-Stammwerk in Wolfsburg sei. Und sogar den „Heuschrecken“-Vergleich für Hedgefonds, die Unternehmen aufkaufen, um sie dann mit Gewinn schnell wieder zu verkaufen, findet Wiedenking „schön“.
Nun finden wir es immer lobenswert, wenn KapitalistInnen anerkennen, dass wir nicht in der besten aller Welten leben. Allerdings sollte Herr Wiedeking vielleicht noch verstehen, dass dieser Jobabbau nicht deshalb passiert, weil einzelne ManagerInnen so böse sind, sondern weil die verschiedenen Konzerne in einem Verdrängungswettbewerb auf Kosten der MitarbeiterInnen stehen – und dass das ein grundlegendes Merkmal des Kapitalismus ist.
Nur eines stört uns noch an Herrn Wiedeking: Im Geschäftsjahr 2004/05 (31. Juli 2005) fuhr Porsche mit 1,24 Milliarden Euro den höchsten Gewinn der Unternehmensgeschichte ein. Für 2005/2006 wird sogar mit einem noch höheren Gewinn gerechnet. Der Aktienkurs hat sich seit 1994 vervierzehnfacht.
Porsche produziert allerdings nicht für die breite Masse, Porsche ist ein Hersteller von Nobelautos. Für den Gewinn sorgen gerade einmal 90.000 Autos, die jährlich abgesetzt werden. Kein Wunder, kostet doch etwa ein Porsche Carrera GT schlappe 450.000 Euro. Und was glaubt Herr Wiedeking, warum seit Jahren die Gewinne von Luxus-Herstellern wie Porsche ins Bodenlose steigen? Warum die Autohersteller, die für die breite Masse produzieren, Absatzschwierigkeiten haben, während Porsche immer mehr Autos ins schmale Luxussegment wirft? Zuerst vom Aufgehen der Schere zwischen Arm und Reich profitieren und dann den Moralapostel raushängen lassen ... ist das nicht ein wenig billig, Herr Wiedeking?
Wir halten es also weiterhin mit Georg Danzers „Ruaf mi net an“ und seinem wunderbaren Reim: „Du hast jetzt an Freund mit an Porsche – sag eam doch, er soll in Oarsch geh´ ...“
10.10.2006, Redaktion www.sozialismus.at
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