Die EU hat sich eine lustige neue Idee einfallen lassen: die fixen Verpackungsgrößen sollen fallen. Logisches Resultat: riesige Boxen mit wenig Inhalt, keine Vergleichbarkeit, dem Missbrauch ist Tür und Tor geöffnet.
In spätestens 6 Jahren wird es nach einem Beschluss der EU-WettbewerbsministerInnen vom 25.9.2006 nur noch für Wein und Schnaps einheitliche Verpackungsgrößen geben. Bei allen anderen Waren wird es den HerstellerInnen freigestellt, in welchen Größen sie produzieren. In Österreich gibt es fixe Größen derzeit noch für Milch, Essig, Olivenöl, Mineralwasser, Limonaden, Fruchtsäfte, Waschmittel und Strickgarn.
Zum Trost gibt es weiterhin eine Grundpreisauszeichnung, die den Preis vergleichbar hält, also festhält, wie viel ein Kilo oder ein Liter der betreffenden Ware kostet. In der Praxis kennen wir so etwas aus den Supermärkten. Die Grundpreisauszeichnung ist im Regal dieser mikroskopisch kleine Fliegendreck irgendwo neben dem Barcode, den niemand entziffern kann (und der vor allem für ältere Menschen, die nicht mehr so gut sehen, tatsächlich eine unüberwindbare Hürde darstellt). Die Tricks der Geschäfte kennt auch jede/r, der/die hin und wieder frisches Brot kauft und nicht aus dem Selbstbedienungsregal entnimmt.. Riesengroß sind die Preise dargestellt, winzigklein daneben ist von Ferne die Information erkennbar, dass es sich in einem Fall um ein Kilo, im anderen nur um 750 Gramm Brot handelt – und für die Grundpreisauszeichnung wäre es ratsam, ein Fernglas mitzunehmen.
In Zukunft werden wir mit noch mehr Waren mit völlig absurden Verpackungen konfrontiert sein. Riesengroß, um den Schein zu erwecken, als wäre der gewohnte Inhalt enthalten, dann (nach dem System der bekannten russischen Steckpuppen) eine Verpackungsschicht nach der anderen, schlussendlich fast kein Inhalt. Der Preisvergleich ähnelt einem Rätselraten für Fortgeschrittene. KonsumentInnen verzweifeln, die Wirtschaft profitiert. Und weil diese Denksporträtsel für die KonsumentInnen fast einer sportlichen Betätigung gleichkommen, nennen sich die für diese Entscheidung zuständigen Damen und Herren ja auch „WettbewerbsministInnen“ ...
02.10.2006, Redaktion www.sozialismus.at
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