Da wurden die Wirtschaftsexperten trotz Professorentitel vermutlich überrascht... von der „Abkühlung“. Nicht das Wetter ist gemeint, nein, die Konjunktur. Sie mussten einräumen, dass ihre Prognosen zu positiv waren, die Produktion gesunken ist und die Aufträge zurückgehen. Die Arbeitslosigkeit werde steigen. Und das im Musterland Deutschland, welches doch laut Merkel & Co. dank Lohnkürzungen, flexiblen Arbeitszeiten und Hartz IV sicher vor der Krise sein soll.

Doch die weltweite Krise ist da. Spitzenpolitiker_innen streiten nun, wie viele Milliarden den Unternehmen mit Steuersenkungen und Investitionsprogrammen zugeschanzt werden sollen. Die Konzerne sind schon dabei, tausende Stellen zu streichen, so wie bei Daimler in Düsseldorf oder Siemens. Oder sie verlangen längere Arbeitszeiten, wie z.B. der Einzelhandelsverband, der mehr Sonntagsarbeit will. Das ist ihre „Medizin“. Eine Medizin, die sicher keine Heilung von der Wirtschaftskrise bringt, die die gesamte Klasse der Arbeitenden aber bezahlen soll.

Arbeitslosigkeit einerseits – Überarbeitung andererseits...

Wenn die Unternehmen wirklich weniger Aufträge haben, dann soll doch die verbleibende Arbeit auf alle aufgeteilt werden – ohne jeden Lohnverzicht und bei Erhalt sämtlicher Arbeitsplätze!

Denn wenn wir ehrlich sind, stellen wir täglich vor Ort fest: Arbeit ist genug da. Niemand müsste arbeitslos sein, wenn die Arbeit auf alle verteilt würde. Die Unternehmer_innen haben in den letzten Jahren auf Arbeit das Tempo enorm angezogen und uns Überstunden arbeiten lassen. Einen Gang runter schalten wäre eine echte Erleichterung. Und wie viele Fast-Unfälle sind schon passiert, weil wir übermüdet und ausgelaugt waren? Mit mehr Kolleg_innen ließen sich Unfälle leichter vermeiden.

Das Fahrpersonal der Deutschen Bahn hat in den letzten Wochen gestreikt. Ihre wichtigsten Forderungen sind Arbeitszeitverkürzung von 39 auf 37 Stunden, eine Stunde weniger Fahrzeit auf der Lok und maximal 50 Überstunden pro Jahr. Praktisch läuft das auf massive Neueinstellungen hinaus. Wenn die Bahner_innen sich damit durchsetzen könnten, wäre gegen die Arbeitslosigkeit mehr getan, als jede Regierungsmaßnahme der letzten zwanzig Jahre geleistet hat.

Egal in welcher Branche, was wir brauchen sind sichere Arbeit für alle, Arbeit, die nicht kaputt macht und von der wir gut leben können. Wir sitzen alle im selben Boot... oder „im selben Zug“, wenn man so will. Das konnten Bahner_innen im Streik praktisch erleben, wenn einzelne Fahrgäste offen Sympathie bekundet haben.

Nicht nur Arbeit, auch Geld ist genug da

Forderungen, wie die der Bahner_innen, seien unrealistisch und führen zu Preiserhöhungen für Fahrgäste und Kund_innen, kriegen nicht nur die Lokführer_innen am laufenden Band zu hören. „Unrealistisch“? - das hängt nur davon ab, wie gut die Arbeitenden zusammenhalten und sich durchsetzen! Und um Gewinne zu steigern, verschlechtern die Unternehmen ständig den Service für Kunden und verlangen dafür sogar höhere Preise. Sollen wir deshalb die Verschlimmerung unserer Arbeitsbedingungen hinnehmen?

Kein Verzicht, kein Kompromiss in der Vergangenheit hat unsere Arbeitsplätze sicherer gemacht. Überall, wo heute ArbeiterInnen abserviert werden, haben sie Extraschichten geschoben und auf Lohn verzichtet im Vertrauen darauf, die eigene Haut zu retten. Und doch haben die Bosse das Vertrauen gebrochen. Die Unternehmer_innen und Konzernchefs sind in den letzten Jahren immer dreister geworden und versuchen, uns jede Errungenschaft wegzunehmen. Niemand kann sich mehr sicher fühlen vor den Stellenabbauprogrammen. Selbst da, wo Gewinne gemacht werden und in Standorte investiert wird, sind Arbeitsplätze bedroht. Wo ist die Grenze? Die Kapitalist_innen kennen keine.

Zugleich haben sie viele Milliarden angehäuft, sodass sie in der Lage wären, Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn zu bezahlen. Die Konzernkassen sind voll. Die Aktionärsfamilien sind so reich wie nie. Laut manager-magazin steht an der Spitze der reichsten Deutschen die Quandt-Familie mit 31 Mrd. Euro. Reich geworden durch Hand aufhalten bei den ArbeiterInnen von BMW. 17,6 Mrd. hat die Schaeffler zusammen mit ihrem Sohn, die am Autozulieferer Schaeffler und Reifenhersteller Continental verdienen – und bekannt geworden sind durch Schließung von Werken in Frankreich und Deutschland. Die Kapitalist_innen sind entschlossen und rücksichtslos. Antworten wir – die Klasse der Arbeitenden - ihnen mit derselben Entschlossenheit, um unsere Interessen zu verteidigen!