Es ist uns allen ja längst zur Gewohnheit geworden, dass einschneidende Veränderungen auf dem Rücken der Arbeiterklasse ausgetragen werden. Aber mit der Kündigung des LMV lässt man die Leute in der Luft hängen, die auf dem Bau Tag für Tag ihre Gesundheit riskieren und dafür sorgen, dass wir alle ein Dach über dem Kopf und eine gute Infrastruktur haben.

Nach der Kündigung des Landesmantelvertrags (LMV) per 30. September 2007, befinden sich die ArbeitnehmerInnen im Bauhauptgewerbe praktisch im ungeschützten Zustand (es gelten nur noch die sehr bescheidenen gesetzlichen Mindestbestimmungen für Arbeitsverträge). Konkret würde dies bedeuten, dass es keine verbindlichen Mindestlöhne mehr gibt, der obligatorische 13. Monatslohn entfällt, die Ferienzeit auf 4 Wochen reduziert und dafür die wöchentliche Arbeitszeit um 9.5 Stunden erhöht werden könnten. Auch wenn die Vertreter des Schweizerischen Baumeisterverbandes beteuern, dass sich auch nach der Vertragskündigung nicht das Geringste ändern würde, werden sie allein schon aufgrund der internationalen Konkurrenz ihre neuen Spielräume ausschöpfen MÜSSEN - abgesehen davon: warum einen Vertrag kündigen, den man angeblich sowieso einhalten will?!

Dagegen gilt es nun mit allen Mitteln Widerstand zu leisten, denn was auf dem Spiel steht sind nicht nur die Arbeitsbedingungen - und letztlich die Arbeitsplätze - auf dem Bau, sondern die Lage der gesamten schweizerischen Arbeiterklasse.

Mag so momentan noch die Verteidigung der Sozialpartnerschaft im Vordergrund stehen, wird man sich auf längere Sicht doch einen anderen Weg suchen müssen: das sogenannte "goldene Zeitalter" nach dem II. Weltkrieg, in dem sich sowohl das Kapital als auch die Arbeiterklasse (mit Hilfe der Gewerkschaften) besser stellen konnte, ist unwiderbringlich vorbei. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ist die Welt nun beinahe durchkapitalisiert, das erschliessen neuer Absatz- und Investitionsmärkte gestaltet sich zunehmend schwieriger, die Verteilungsspielräume werden enger.

Vor diesem Hintergrund müssen sich die Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit in den nächsten Jahren fast zwangsläufig zuspitzen. Die grundsätzliche Frage, wer eigentlich die Macht hat im Produktionsprozess wir bald wieder auf der Tagesordnung stehen. Und zumindest theoretisch ist diese Frage leicht beantwortet: ein Kapitalist ohne ArbeiterInnen schafft kein Produkt. Wozu aber braucht der / die ArbeiterIn im Produktionsprozess den Kapitalisten? Wie, wenn nicht durch seine ArbeiterInnen wird und bleibt der Kapitalist überhaupt Kapitalist?

Wie aber kann die Arbeiterklasse ihre Macht auch ausspielen? Widerstand, Demonstrationen und Streiks sind nur ein erster, allerdings wichtiger Schritt. Denn daraus erwächst das Gefühl der Stärke in der Einheit. Und jede(r) einzelne kann an seinem Arbeitsplatz etwas dafür tun: kann Grenzen abbauen zwischen verschiedenen Nationalitäten, Geschlechtern, Religionen, Produktionsstandorten usw. Der Satz ist alt, aber wahr: NUR GEMEINSAM SIND WIR STARK!

Wir von der Revolutionär Sozialistischen Organisation solidarisieren uns mit Eurem Kampf und laden Euch dazu ein, mit uns über weitere Möglichkeiten des Widerstands zu diskutieren.