Die Gruppierung « Islamischer Staat » (IS) hat sich bis weit in den Irak ausgebreitet. Mit Hollywood-Ästhetik verbreiten sie die widerwärtigen Bilder ihres „Heiligen Krieges“: Enthauptungen, Massenmorde und religiöse Diktatur. Der Westen hat seine eigenen Gründe dieses Bild vom Todfeind der scheinbar „aufgeklärten“ Welt auch noch zu bestärken und versucht, seine Hände in Unschuld zu waschen.

Keine Armee kommt aus dem Nichts

Der IS ist in einer Region entstanden, die von Jahrzehnten der Einmischung westlicher Großmächte gezeichnet ist. Eine der folgenreichsten Einmischungen war der Irak-Krieg im Jahre 2003, mit dem die USA und ihre Verbündeten das Regime des Diktators Saddam Hussein stürzten. Lange Zeit jedoch hatte der Westen wenig Probleme mit Hussein und seinem Regime, das sämtliche linke Kräfte in dem Lande unterdrückte. Im Gegenteil. Die US-Regierung war erst recht bereit das Regime politisch, finanziell und militärisch zu unterstützen, als es darum ging, den Iran Anfang der 80er Jahre zu bekriegen.

Der Westen versucht nun seit mehr als einem Jahrzehnt, Regierungen nach seinem Geschmack im Irak oder auch in Afghanistan aufzubauen. Diese Regierungen konnten sich jahrelang nur halten, weil westliche Truppen, insbesondere die USA, vor Ort präsent waren. Daher ist es kein Wunder, dass heute die Folge ein Zerfall staatlicher Strukturen und das Entstehen von Bürgerkriegen ist, weil die Marionetten-Regierungen keinen wirklichen Rückhalt in der Bevölkerung haben, sondern als Vertreter westlicher Bevormundung und Ausplünderung ihres Landes gelten. Ölverträge und massive Privatisierungen im Interesse großer westlicher Unternehmen (auch deutscher!) prägten den sogenannten Aufbau der „Demokratie“ im Irak wie in Afghanistan.

Infolge dieser Entwicklungen entstanden politisch-religiöse Organisationen wie der „Islamische Staat“, die sich gegen den Westen richten, der dem größten Teil der Bevölkerung nicht die „Demokratie“ brachte, sondern in erster Linie Armut, Ausbeutung und erneute politische Unterdrückung. Mit anderen Worten: das Entstehen von radikal-islamischen Bewegungen, Armeen, ja gar Staaten sind die Kehrseite der scheinbar goldenen Medaille „westlicher Demokratie“.

Die Geschichte wiederholt sich…

…und es wird von Mal zu Mal erschütternder. Der Westen unterstützt immer wieder einzelne politische oder religiöse wie „ethnische“ Gruppierungen, die sich dann zu unbeherrschbaren Kräften entwickeln. Dies war der Fall mit den Taliban in Afghanistan, aber auch mit der syrischen Oppositions-Armee FSA, die vom Westen unterstützt wurde und heute Tausende selbsternannte „Gotteskrieger“ hervorbringt.

Wenn heute die USA mit Bomben - und Deutschland mit Waffenlieferungen an die Kurden – versuchen, den IS zu bekämpfen, dann nur, weil sie die Kontrolle über die ölreichste Region der Welt verloren haben. Sie wollen eine kurzfristige „Lösung“ herbeiführen, die aber mit ziemlicher Sicherheit dazu führen wird, dass sie erneut auf Kräfte setzen, die ihre eigene Bevölkerung unterdrücken und ausbeuten werden. Solange diese Kräfte es jedoch im Einverständnis mit den USA oder der EU tun, ist ihnen der Rückhalt des Westens sicher. Die Gefahr, dass erneut radikale Organisationen mit brutalen und mittelalterlichen Methoden an Einfluss gewinnen, ist hierdurch nicht im Geringsten gebannt.

Der Islamismus und der IS sind letztlich Reaktionen auf die permanente Barbarei, die der Westen provoziert und gesteuert hat. Sie zeigen das Fehlen einer fortschrittlichen Antwort auf das Versagen des Kapitalismus und seiner politischen Regime. Dass sich junge Muslime auch hier in Deutschland als Kämpfer für den IS melden, zeigt, wie sehr das Vertrauen in den Westen und sein politisches Exportprodukt „Demokratie“ gesunken ist. Ausgrenzung und zunehmende Armut sind der Grund dafür, nach Alternativen zu suchen, die heute oft rückschrittlich sind: bei den einen ist es die Religion, bei den anderen Rassismus und Nationalismus…

Doch eine Antwort auf die heutigen sozialen und politischen Probleme, die ihre Ursache im Kapitalismus haben, kann nur eine gemeinsame Antwort der Unterdrückten – jenseits von Vorurteilen, Frauenunterdrückung und brutaler Unterjochung – sein. Wie diese Antwort aussehen könnte, deutete sich in der Bewegung des arabischen Frühlings an, wo das einfache Volk sich gemeinsam gegen seine Diktatoren und deren Schergen auflehnte.