Die HafenarbeiterInnen rund um die San Francisco Bay gelten als gewerkschaftlich militant und politisch vorausschauend. Dieser Ruf geht auf den stadtweiten Generalstreik im Jahr 1934 zurück. Im Verlauf der folgenden Jahrzehnte stellten die in der [San Francisoer Ortsgruppe] Local 10 der International Longshore and Warehouse Union (ILWU) organisierten HafenarbeiterInnen eine Art Vorhut der ArbeiterInnenklasse. Sie blockierten in den 1970ern für Chile unter Pinochet bestimmte Schiffsladungen, boykottierten in den 1980ern den Handel mit Südafrika unter dem Apartheidsregime und zogen Mitte der 1990er Solidaritätskampagnen mit den ausgesperrten HafenarbeiterInnen in Liverpool auf.

Als treibende Kraft hinter der bislang signifikantesten gewerkschaftlichen Aktion in der westlichen Welt gegen die andauernden Kriege und Besatzungen in Irak und Afghanistan erwies sich wiederum die ILWU Local 10. Am 1. Mai 2008 wurde in den Häfen von San Franciso und Oakland sowie praktisch allen 28 weiteren Hafenanlagen von San Diego, Kalifornien bis Seattle, Washington während einer acht-stündigen Schicht die Arbeit niedergelegt. Mit diesem drastischen Protest unterstrichen 25.000 Mitglieder der ILWU die Forderung ihrer Gewerkschaft nach dem Rückzug der US Truppen aus Irak und Afghanistan.

Die Aktion zum 1. Mai wurde dann ins Rollen gebracht, als während des Longshore Caucus der ILWU [der Sitzung eines Ausschusses der ArbeiterInnen im Küstenbereich] im Februar mit 97 zu 3 Stimmen beschlossen wurde, eine Resolution zu unterstützen, die zu einer Arbeitsniederlegung als explizitem Ausdruck der Opposition gegen die Kriege und der Forderung nach einem Rückzug der Truppen aufrief. Der Dachverband der ArbeitgeberInnen, die Pacific Maritime Association, versuchte, die geplante Aktion zu verhindern und wurde von der Schlichtungsstelle zweimal darin bestätigt, dass die Arbeitsniederlegung zum 1. Mai eine Verletzung der Vereinbarungen im Kollektivvertrag zu arbeitsfreier Zeit für Gewerkschaftstreffen darstellen würde. Während die GewerkschaftsfunktionärInnen kalte Füße bekamen und Stellungnahmen veröffentlichten, wonach die geplante Aktion eigentlich dazu dienen solle, die US Truppen ["our troops"] zu unterstützen und von offiziell nicht mehr mitgetragen werden würde, gab es keine Anweisung die Aktion abzubrechen. Tausende HafenarbeiterInnen erschienen [am 1. Mai] nicht zur Arbeit.

Die ILWU Aktion stieß in der gesamten [San Francisco] Bay Area auf Resonanz - ein innerstädtisches Kino, das Grand Lake, nutzte in der letzten Aprilwoche sogar seine Anzeigetafel um mit bewegenden Worten Anerkennung zum Ausdruck zu bringen: "In ihrem Protest gegen die verbrecherische Besatzung des Irak können sich die Hafenarbeiter unserer Bewunderung sicher sein."

Während eines Umzugs zum 1. Mai und einer Anti-Kriegs Demo in San Franciso wurden vom Schauspieler und Aktivistem Danny Glover, von der Anti-Kriegs Aktivistin Cindy Sheehan und der Präsidentschaftskandidatin der Grünen, Cynthia McKinney, sowie von lokalen GewerkschftsvertreterInnen Reden gehalten. Gleichzeitig wurde in Übereinstimmung mit dem Vorgehen der ILWU an anderen Arbeitsplätzen in den USA, von Hafenanlagen in New Jersey bis hin zu verschiedenen Postämtern, symbolisch die Arbeit niedergelegt oder es wurden Schweigeminuten abgehalten.

Der dramatischste Effekt des Streiks der HafenarbeiterInnen an der Westküste der USA wird aber wohl im Irak selber zu verbuchen gewesen sein. In zwei im Süden des Landes gelegenen Hafenanlagen, Umm Qasr und Khor al-Zubair, wurde, von der Aktion der ILWU inspiriert, für eine Stunde die Arbeit niedergelegt.

Die Gewerkschaft der Hafenarbeiter im Irak teilte der ILWU mit: "Eure mutige Entscheidung, am 1. Mai zu streiken, um gegen den Krieg und die Besatzung im Irak zu protestieren unterstützt uns in unserem Kampf gegen die Besatzung und für eine bessere Zukunft für uns und für den Rest der Welt."

In einem Interview mit dem alternativen US-amerikanischen Nachrichtenprogramm Democracy Now! sagte Jack Heyman, Mitglied des Vorstandes der ILWU Local 10: "Dies ist die erste Arbeitsniederlegung, die es [in den USA] je gegeben hat, bei der die ArbeiterInnen in der Forderung nach einem Ende des Krieges und des sofortigen Rückzugs der Truppen streiken. Nicht nur haben wir uns über das Schiedsgericht hinweg gesetzt, sondern auf eine bestimmte Art und Weise auch über unsere eigenen GewerkschaftsfunktionärInnen. Die GewerkschaftsfunktionärInnen wollten die Aktionen, die wir trotz der Entscheidung der Schlichtungsstelle entlang der gesamten Küste organisiert haben, nicht. Es ist einfach so, dass wir unsere Anweisungen nicht von der Schlichtungsstelle bekommen, wir bekommen sie auch nicht von den RichterInnen. Die Basis unserer Gewerkschaft geht hinaus und tut, was zu tun ist."

 

Übersetzung aus dem Englischen: Anke Hoorn (RSO Wien Süd/West)

Facebook