Der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) plant eine Ausweitung der Tätigkeiten des Pflegepersonals. Wir versuchen in unseren Betriebsflugblättern mit folgendem Artikel, der in Zusammenarbeit mit Beschäftigten verfasst wurde, in die Diskussion einzugreifen und Vorschläge zu machen.

 

Ausweitung der Pflegetätigkeit

Seit der Mail der KAV-Generaldirektion im August ist es offiziell. Ab 1.1.2015 sollen jetzt alle Tätigkeiten aus dem „mitverantwortlichen Bereich“ von der Pflege übernommen werden. Da sind für uns aber noch einige Sachen zu klären!

Zeitmanagement

Wir haben jetzt schon sehr viel zu tun. Oft kommen wir vor lauter Dokumentationen und Papierkram fast gar nicht mehr dazu, uns um die PatientInnen zu kümmern. Und unsere reale Tätigkeit geht auch weit über das aktuelle Tätigkeitsprofil hinaus. Wenn keine AbteilungshelferInnen da sind, müssen wir uns auch um die Essensausgabe kümmern. Teilweise müssen wir selbst Aufnahmen und Entlassungen durchführen.

Auf manchen Stationen heißt es, dass durch die Ausweitung zusätzliches Personal kommt, auf anderen wurde nichts zugesagt, teilweise gibt es sehr diffuse Informationen dazu. Wir bräuchten auf vielen Stationen schon jetzt zusätzliches Personal, um die aktuelle Arbeit zu bewältigen. Wir haben keine Angst vor den „mitverantwortlichen Tätigkeiten“, aber die Arbeit müsste ganz anders organisiert werden. Die Direktion sollte selbst wissen, wie unterbesetzt wir in vielen Bereichen sind, und dass wir da eine Erweiterung unserer Aufgaben nur als Witz auffassen können.

Rechtliche Absicherung

Die neuen Aufgaben sind teilweise sehr anspruchsvoll und Fehler können schlimme Konsequenzen haben. Unsere Verantwortung steigt noch weiter an. Sind wir für diese Situation durch den KAV rechtlich abgesichert, kann das Vier-Augen-Prinzip gewährleistet werden? Auf manchen Stationen wurde dem Vier-Augen-Prinzip jetzt eine Absage erteilt. Jahrelang als tollstes und wichtigstes Prinzip promotet, fällt es jetzt plötzlich Einsparungen zum Opfer. Das kann funktionieren, bis es kracht und was passiert und den nächsten Skandal gibt. Und dann müssen wir die Zeche dafür zahlen, während der KAV durch unsere zusätzliche Arbeit spart.

Schulungen

Wenn wir neue Tätigkeiten übernehmen sollen, brauchen wir auch eine gute Ausbildung dafür. Es muss Schulungen geben, die in der Arbeitszeit stattfinden bzw. bezahlt werden und für die Fortbildungspflicht angerechnet werden. Die Qualität und der Umfang der Schulung muss ausreichend sein, wir wollen nicht unsicher an der PatientIn hantieren müssen. Ob uns dreistündige Schulungen, wie sie der KAV jetzt teilweise anbietet, da weiter bringen? Bei manchen dienstälteren Diplomierten ist die Schule schon lange her, es kommt immer mehr und Neues dazu. Es gibt auch Grenzen. Wenn ältere KollegInnen die Schulungen und somit die neuen Tätigkeiten nicht machen wollen, dann sollen sie das auch ablehnen können.

Finanzielle Abgeltung

Das Leben wird immer teurer, die Arbeit immer härter. Wenn wir mehr Arbeiten und mehr Verantwortung tragen, wollen wir das auch abgegolten bekommen. Es muss eine Zulage oder höhere Einstufung geben. Uns wird nichts geschenkt, und wir arbeiten auch nicht nur aus Barmherzigkeit. Einsparungen dürfen nicht weiter auf unserem Rücken ausgetragen werden.

Transparenz und Diskussion

Wieso bekommen wir keine ordentlichen Informationen? Alles ist vage und diffus. Und gefragt werden wir auch nicht. Wir brauchen Versammlungen, bei denen wir gemeinsam über die Pläne, Fragen und Forderungen diskutieren können.

Wir haben nichts gegen Herausforderungen und neue Tätigkeiten. Aber nicht über unsere Köpfe hinweg und zu unseren Bedingungen, statt zu denen einer abgehobenen Direktion, die Stationen nie sieht und scheinbar keine Ahnung hat.

Was können wir tun?

Die Situation ist überall sehr ähnlich. Alle KollegInnen sind wütend und fühlen sich verarscht. Was können wir gegen eine beschlossene Änderung tun? Ein Blatt Papier bedeutet noch keine Umsetzung, denn dafür brauchen die da oben immer noch uns, die die Tätigkeiten dann wirklich übernehmen.

Die Personalvertretung kritisiert die Vorgangsweise und macht ihre Zustimmung von den konkreten personellen Ressourcen abhängig. Von Widerstand, Versammlungen oder Kampfmaßnahmen, die uns in eine reale Verhandlungsposition bringen, sagt sie aber nichts. Die sollten wir aber einfordern!

Lasst uns in Gruppen zur Personalvertretung gehen oder schreiben wir Mails, in denen wir unsere Unzufriedenheit zeigen und die reale Lage auf unseren Stationen erklären. Damit können wir der Personalvertretung hilfreiche Informationen in die Hand geben und ihr Druck machen, etwas zu tun.

 

Was denkst du dazu? Was möchtest du den KollegInnen sagen? Schreib uns unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!